Bericht zum Workshop „Jamming und Spoofing”

Am 13. Mai 2026 fand in den Räumlichkeiten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln der Workshop „Resiliente Kommunikation und Navigation – Herausforderung Spektrum: Monitoring, (GNSS) Jamming und Spoofing“ statt. Der Workshop wurde im Rahmen des Space Innovation Hub durchgeführt, der gezielt den Austausch zwischen der New Space Szene und öffentlichen Bedarfsträgern fördert und technologische Impulse für die Raumfahrt setzt. Die Veranstaltung richtete sich an Akteure aus Politik, Forschung, Behörden und Industrie, die sich mit den wachsenden Bedrohungen durch Signalstörungen sowie strategischen und technologischen Gegenmaßnahmen befassen.

Ziel des Workshops war es, die aktuellen Gefahren von Jamming und Spoofing insbesondere im zivilen aber auch im militärischen Sektor zu beleuchten, technologische Abwehr- und Monitoring-Lösungen vorzustellen und die dringende Notwendigkeit einer verbesserten Governance, Robustheit und Resilienz zu diskutieren.

Den inhaltlichen Auftakt und die Begrüßung bildeten Dr. Björn Gütlich (Leiter der Abteilung Satellitenkommunikation) und Dr. Alexander Weiß (Leiter der Abteilung Navigation) von der Raumfahrtagentur im DLR.

Inhaltliche Impulse und technologische Lösungsansätze

Der erste Teil des Workshops widmete sich den aktuellen Bedrohungsszenarien für Weltraum- und Bodeninfrastrukturen sowie den behördlichen und wissenschaftlichen Gegenmaßnahmen. Ein zentraler Fokus lag auf der Erkenntnis, wie leicht GNSS zu stören ist, wobei der Ausfall von Zeitsignalen das größere Problem für die Gesellschaft und kritische Erd-Infrastrukturen darstellt. Um eine resiliente Dienstleistung und Versorgung zu gewährleisten, wurde der Weltraumsektor Ende 2025 offiziell in den regulatorischen Fokus aufgenommen. Derzeit konzentrieren sich die behördlichen Bemühungen auf die Absicherung von Bodeninfrastrukturen und die Erarbeitung von Empfehlungspapieren. Als größte Hürden erweisen sich dabei jedoch die grenzübergreifende Fragmentierung von Zuständigkeiten und unklare rechtliche Rahmenbedingungen. Als technologischer Treiber fungiert hierbei die Ukraine, die elektromagnetische Schilder um kritische Infrastrukturen baut. Trotz eines von Störern überlasteten Spektrums gelingt es dort, Störsender so präzise auszuschalten, dass eigene Drohnen einsatzfähig bleiben. Ziel sei das De-Conflicting solcher Situationen, wobei die Bundeswehr nach dem Dreischritt „Finden – Klassifizieren – Ableitungen treffen“ vorgeht.

Das SATCOM-Jamming eine reale, kostengünstige und hochwirksame Bedrohung darstellt, zeigen aktuelle geopolitische Konflikte. Durch die sogenannte Multipfad-Ausbreitung von Störsignalen wird deren Detektion massiv erschwert. Als orbitaler Schutz wird daher die Entwicklung einer geschützten europäischen Wellenform (European Protected Waveform) diskutiert. Zudem stehen innovative Satellitenprojekte kurz vor dem Start, die ab Herbst 2026 im erdnahen Orbit (LEO) gezielt Interferenzen und Spoofing-Signale aufzeichnen sollen, um die Datenbasis zu verbessern.

Neben dem Jamming rückt das sogenannte Spoofing (Signalfälschung) immer stärker in den Fokus. Zahleiche Vorfälle, beispielsweise im Ostseeraum, demonstrieren das massive Risiko gefälschter GNSS-Signale, die zu gefährlichen Fehlalarmen und Systemausfällen in Verkehrsflugzeugen führen. Die Forschung reagiert hierauf mit der Entwicklung von Hardware-Gegenmaßnahmen, wie Mehrantennen-GNSS-Empfangssystemen zur gezielten Signalunterdrückung. Um der historischen und aktuellen Abhängigkeit von globalen Satellitennavigationssystemen zu begegnen, werden robustere Empfangstechnologien und verschlüsselte Dienste für autorisierte Nutzer – wie das europäische Galileo PRS – implementiert. Ein entsprechendes EU-Großprojekt zur Erprobung dieser geschützten Technologien geht Mitte 2026 in die heiße Testphase.

Perspektiven aus der Industrie und regulatorische Herausforderungen

Im zweiten Teil des Workshops beleuchteten Industrieakteure und internationale Institutionen die praktischen Herausforderungen im operativen Betrieb. Beim Spektrum-Monitoring, beispielsweise im L-Band, zeigt sich, dass bereits sehr günstige, kleine Störsender im Alltagsbetrieb den zivilen Luftverkehr empfindlich stören können. Die Herausforderung besteht darin, hochentwickelte Algorithmen zu implementieren, die solche Störsignale präzise aus dem Hintergrundrauschen herausfiltern und lokalisieren können.

Gleichzeitig verschmelzen zivile und militärische Anwendungen zunehmend auf kommerziellen Antennenplattformen. Physische und elektronische Angriffe auf Bodenstationen im globalen Kontext verdeutlichen die Verwundbarkeit dieser kombinierten Infrastrukturen. Die Akteure plädieren daher eindringlich für einen verstärkten internationalen Datenaustausch und eine globale Governance, die im Rahmen kommender Weltfunkkonferenzen verankert werden muss. Praktische Test-Szenarien, wie die Jamming-Analyse im Bahnbereich oder mathematische Algorithmen zur robusten Orbitschätzung bei Satellitenempfängern, zeigen jedoch, dass bereits konkrete technische Lösungen erprobt werden.

Ein zentrales Credo der Diskussion war, GNSS-Daten nicht länger als „selbstverständliche Wahrheit“ zu betrachten. Insbesondere Spoofing stellt eine weitaus subtilere Gefahr als Jamming dar, da die Manipulation oft unbemerkt bleibt und zu einem verdeckten Systemausfall führt. Der Ausweg liegt in einer mehrschichtigen Resilienz, die durch Sensorfusion (die Kombination verschiedener Sensordaten) und autonome Überbrückungssysteme (Holdover-Systeme) erreicht wird.

Aus geopolitischer und rechtlicher Sicht werden Jamming und Spoofing als hybride, non-kinetische Bedrohungen eingestuft, die sich derzeit noch in einer regulatorischen Grauzone bewegen. Große Hoffnung ruht hierbei auf der anstehenden Entwicklung des EU Space Act, der bestehende Regelungslücken im Bereich der elektronischen Kampfführung schließen könnte. International greifen bereits die Überwachungsmöglichkeiten globaler Messstationen und die Regulierungen der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). Dennoch verzeichnen Betreiber, wie die Flugsicherung, einen kontinuierlichen Anstieg von Funkmessstörungen, die im täglichen Flugbetrieb zu riskanten Kursabweichungen führen und ein schnelles, koordiniertes Handeln aller Akteure unabdingbar machen.

Dirk Krischker und Frank Wilms (Fachabteilungen Satellitenkommunikation und Navigation) fassten abschließend die zentralen Erkenntnisse zusammen:

  1. Erkennung als Basis: Die wichtigste Grundvoraussetzung für jeden Schutz ist die verlässliche Erkennung, dass überhaupt eine Jamming- oder Spoofing-Störung vorliegt. Hierzu sind kontinuierliche Plausibilitätsprüfungen der Signale zwingend notwendig.
  2. Dringender Governance-Bedarf: Während die technischen Lösungen und die wissenschaftliche Expertise in Deutschland und Europa hochgradig vorhanden sind, scheitert die Praxisüberführung oft an ungeklärten Zuständigkeiten, Haftungsfragen und mangelnden finanziellen Budgets.
  3. Grenzübergreifende Kooperation: Da die Orbits und Frequenzen immer voller werden und Signalstörungen nicht an Landesgrenzen haltmachen, müssen Sicherheitsstandards (wie im Bahnbereich oder Luftraum) international harmonisiert und regulatorisch durch die Politik untermauert werden.

Der Workshop unterstrich, dass die Resilienz von Navigations- und Kommunikationssignalen kein rein technisches Problem, sondern eine fundamentale Sicherheitsfrage für Wirtschaft, Gesellschaft und Verteidigung darstellt. Der Space Innovation Hub bot hierfür eine wertvolle Plattform, um die Akteure entlang der gesamten Kette zu vernetzen und notwendige Impulse für kommende Governance-Modelle zu setzen.

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