Am 11. Dezember fand in den Räumlichkeiten des DLR in Köln-Porz der Workshop „Smarte Satelliten – Mit KI zu intelligenten Raumfahrtsystemen“ statt. Der Workshop wurde im Rahmen des Space Innovation Hub durchgeführt, der gezielt den Austausch zwischen der New Space Szene und öffentlichen Bedarfsträgern fördert und neue technologische Impulse für die Raumfahrt setzt.
Die Veranstaltung richtete sich an Akteure aus Politik, Forschung und Industrie, die sich mit der Entwicklung und strategischen Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Raumfahrt befassen. Ziel des Workshops war es, den aktuellen Stand von KI-Anwendungen in der Raumfahrt zu beleuchten, konkrete Anwendungsfelder zu identifizieren und gemeinsam nächste Schritte für tragfähige, praxistaugliche Lösungen zu diskutieren.
Den inhaltlichen Auftakt bildete eine Keynote von Herrn Prof. Felderer, dem Leiter des Instituts für Softwaretechnologie im DLR, zu den Potenzialen von Künstlicher Intelligenz in der Raumfahrt. In seiner Keynote zeigte er die Bandbreite möglicher Einsatzfelder – von der Erdbeobachtung über autonome Systeme bis hin zur Missionsplanung – auf und adressierte zugleich zentrale Herausforderungen wie Vertrauenswürdigkeit, Datenverfügbarkeit und technologische Souveränität.
Im anschließenden Pitch-Format gaben Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Politik spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Anwendungsbeispiele und strategische Perspektiven:
- Airbus – Thomas Cherdron
- OHB SE – Adrian-Mihai Leu
- Sopra Steria – Carolin Busch
- Marble Imaging – Dr. Gopika Suresh
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt – Tobias Stangier
Die Pitches machten deutlich, dass KI bereits heute in vielen Bereichen der Raumfahrt eine wichtige Rolle spielt, ihr volles Potenzial jedoch erst durch gezielte Integration in Missionsdesign, Betriebskonzepte und Organisationsstrukturen entfalten kann.
Im zweiten Teil des Workshops standen interaktive Themeninseln im Mittelpunkt. In rotierenden Gruppen diskutierten die Teilnehmenden entlang der drei Schwerpunkte „Orientierung“, „Vertrauen“ und „Umsetzung“, wo KI echten Mehrwert schafft, welche Voraussetzungen für ihren erfolgreichen Einsatz notwendig sind und wie der Transfer in reale Missionen gelingen kann.
In der Themeninsel Orientierung wurde insbesondere diskutiert, in welchen Bereichen KI einen klaren Mehrwert bieten kann. Genannt wurden unter anderem die Bewältigung bürokratischer Prozesse, die Bilderverarbeitung – insbesondere in der Erdbeobachtung, der Einsatz in Satellitenkonstellationen sowie die Autonomie, das Management und der Betrieb komplexer Systeme. Auch hybride Simulationen wurden als vielversprechendes Anwendungsfeld hervorgehoben.
Die Diskussionen in der Themeninsel Vertrauen machten deutlich, dass Vertrauen in KI stark kontextabhängig ist. Entscheidend sind der jeweilige Nutzer, die Zielsetzung und der konkrete Anwendungsfall. Daraus ergibt sich, dass es nicht „die eine KI“ geben kann, sondern unterschiedliche Lösungen für unterschiedliche Anforderungen notwendig sind. Als zentrale Herausforderungen wurden unter anderem Fragen der europäischen KI-Entwicklung, technologische Abhängigkeiten sowie die Qualität und Verfügbarkeit von Daten identifiziert. Als Lösungsansätze wurden insbesondere Datenhubs, der Zugang zu großen Mengen zielgerichteter Daten sowie deren Qualifizierung hervorgehoben.
In der Themeninsel Umsetzung stand die praktische Einführung von KI im Fokus. Ein zentrales Ergebnis war die klare Position, dass KI nur dort eingesetzt werden sollte, wo ein tatsächlicher Mehrwert entsteht. Zudem wurden auch hier die Bedeutung europäischer Souveränität, qualifizierter Human Resources sowie geeigneter Test- und Erprobungsmöglichkeiten betont. Da sich KI-Technologien sehr schnell weiterentwickeln, wurde die Notwendigkeit gesehen, Benchmarks zu schaffen, um Leistungsfähigkeit, Vergleichbarkeit und Vertrauenswürdigkeit systematisch bewerten zu können.
Während und nach den einzelnen Programmpunkten nutzten die Teilnehmenden intensiv die Möglichkeit zum Austausch. Die Diskussionen waren geprägt von hoher Praxisnähe, Offenheit und einem gemeinsamen Interesse daran, KI nicht nur technologisch, sondern auch strategisch und organisatorisch sinnvoll in die Raumfahrt zu integrieren.Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass Künstliche Intelligenz ein zentraler Enabler für die Zukunft intelligenter Raumfahrtsysteme ist – vorausgesetzt, ihr Einsatz wird zielgerichtet, verantwortungsvoll und im Zusammenspiel von Technologie, Organisation und Regulierung gestaltet. Der Space Innovation Hub bot hierfür eine wertvolle Plattform, um Akteure zu vernetzen, Perspektiven zusammenzuführen und konkrete Impulse für die nächsten Schritte zu setzen.







